Dämonische, natürliche und qabalistische Magie
in der europäischen Renaissance
von Meg Patrzyk, Loge Magan, Polen
und Alberto Brandi, Loge Sothis, Italien
–Die Meister der schwarzen Magie der Renaissance
Johannes Trithemius
Trithemius (1462-1516) war ein geachteter Mönch im Benediktinerkloster Sponheim. Nach seiner Ankunft reformierte er das Kloster, restaurierte das Gebäude, stellte eine große Bibliothek aus über 2000 verschiedenen Bänden zusammen und zwang die Mönche zu eifrigerer und regelmäßigerer Arbeit. Ansonsten jedoch war er ein leidenschaftlicher Anhänger der okkulten Wissenschaften und wurde als ein Magier berühmt, der dämonische Magie praktizierte. Diesen Ruf erlangte er im Wesentlichen durch seine Interessen an der Hermetik, die von den kirchlichen Autoritäten nicht gern gesehen wurden. Der Hauptgrund war jedoch sein Buch „Steganographia“. 1498 schrieb er an seinen Freund Arnold Bostins über das Buch: „Dieses Buch, in welchem ich viele wenig bekannte Geheimnisse und Mysterien lehre, wird allen, insbesondere den Ignoranten, voll von übermenschlichen, erstaunlichen, unglaublichen Dingen erscheinen. Niemand vor mir hat je darüber gesprochen oder geschrieben.“(1) Der Titel des Buches „Steganographia“ bedeutet auf Griechisch „verborgenes Schreiben“. Oberflächlich war es ein System von Engelsmagie, doch tatsächlich war es ein System der Kryptografie und des Verschlüsselns von Botschaften – zumindest die beiden ersten Bücher des Werkes. Sie waren konventionell geschrieben und erklärten anhand geeigneter Beispiele die Verschlüsselung von Botschaften. Das dritte Buch jedoch war anders. Es enthielt Zahlen und Namen verschiedener Wesenheiten. Es behandelte die Beschwörung von 28 planetaren Intelligenzen, vier für jeden der sieben Planeten. Es gab auch detaillierte Beschreibungen, wie eine solche Botschaft abzuschicken sei: Man benutzt Rosenöltinte, zeichnet ein Bild des betreffenden Geistes, zeichnet ein Bild der Person, die die Botschaft erhalten soll, faltet es zusammen, schlägt es in weiß gewaschenes Leinen ein, tut es in einen Behälter und versteckt ihn. Wegen dieser Beschreibungen glaubte man weithin, dass das Buch die Geheimnisse der Geisterbeschwörung enthalte, und die Gelehrten hielten es allgemein für ein erstklassiges Beispiel eines schwarzmagischen Grimoires des sechzehnten Jahrhunderts. Trithemius selbst erklärte, das Buch enthalte eine Synthese von Wissenschaft, Gedächtniskunst, Magie, einem System zum Erlernen von Sprachen und einer Methode zum Verschicken von Botschaften ohne irgendwelche Symbole oder die Hilfe eines Überbringers. Die Reaktion auf das Buch war sehr heftig – es wurde als ein qabalistisches und nekromantisches Werk mit verbotenen Formeln zur Beschwörung von Dämonen betrachtet. Tatsächlich wurde erst spät entdeckt, dass das dritte Buch des Werkes auch einen Geheimcode darstellte, der hinter den Namen von Engeln, Geistern und astrologischen Zeichen verborgen war. Zu dieser Zeit wurde es bereits als ein Buch dämonischer Beschwörungen und verbotener okkulter Künste attackiert. Wie überliefert ist, zerstörte Trithemius selbst einige Teile des Buches, doch das Manuskript erlangte weite Verbreitung in ganz Europa und seine Theorien wurden sehr einflussreich. Trithemius bestritt diese Gerüchte jedoch nicht. Es war allgemein bekannt, dass er ein großes Interesse an der Qabalah und Numerologie und tatsächlich einige andere Werke über Magie und Alchemie geschrieben hatte. Er versuchte einige der Methoden zu beschreiben, um übernatürlicher Kräfte zu beschwören und mit ihrer Hilfe Einfluss auf die äußere Welt zu nehmen. Trithemius studierte die Beziehungen zwischen dem Mikro- und Makrokosmos und versuchte dieses Wissen praktisch zu nutzen. Er benutzte meist die Namen von Engeln in seinen Büchern, was auch der Grund dafür ist, dass seine Studien „Engelsmagie“ genannt wurden. Seine Methoden unterschieden sich jedoch nicht von jenen anderer Magier, die sich mit dämonischer Magie beschäftigten. Der einzige Unterschied ist, dass in Trithemius' Invokationen die Namen der Dämonen durch die Namen von Engeln ersetzt wurden. Die Prozedur zur Beschwörung jener Wesenheiten blieb jedoch dieselbe. Mit der Kunst, Geister in Kristalle zu zeichnen, benutzte er dieselben Prozeduren des Rufens von Geistern wie in den zeitgenössischen Grimoires der schwarzen Magie beschrieben: Vorbereitung des Kristalls, Ziehen eines magischen Kreises, Wahl des passenden Tages und der Stunde, Verwenden eines Rings und eines Pentakels, und die Zeremonie selbst. Außerdem beschrieb Trithemius in einigen Schriften seine Erfahrungen mit Dämonen, die er beschworen und nicht voll unter Kontrolle hatte. Wir können also annehmen, dass seine Magie nicht nur „engelhaft“ war (2). Es gab eine Menge Gerüchte über die magischen Fähigkeiten von
Trithemius. Man glaubte, dass er auf die Bitte von Kaiser Maximilian I
hin die Kunst der Nekromantie verwandte, um den Geist von dessen verschiedener Frau Maria von Burgund herbeizurufen. Er hatte den Ruf eines Alchemisten und stritt das niemals ab. Man sagte gar, dass die finanziellen Ressourcen für die Restaurierung des Klosters das Ergebnis einer erfolgreichen Transmutation eines Steins der Weisen seien (2). Kein Wunder, dass seine Person in großem Maße zum Faust-Mythos im Europa der Renaissance beitrug. Unter seinen Werken war auch „Antipalus Maleficiorum Comprehensus“, ein Buch, welches Hexen nach ihren Spezialitäten klassifiziert. Das Buch listet auch 44 Methoden der Divination auf und enthält eine interessante Bibliographie (1).
Agrippa von Nettesheim
Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535) war ein anerkannter Experte für Okkultismus und Philosophie und der einflussreichste Autor esoterischer Literatur in der Renaissance. Sein Schlüsselwerk „De Occulta Philosophia“ trug stark zur Entwicklung der magischen Studien in der Renaissance bei und verband seinen Namen mit den zeitgenössischen Faust-Legenden. Es war eine Enzyklopädie der Magie, in welcher er einen Versuch unternahm, die populärsten Aspekte der okkulten Philosophie des Zeitalters zu beschreiben, insbesondere die hermetischen Lehren. Er erklärte, dass es hinter der in seinem Buch präsentierten übertriebenen Darstellung der okkulten Künste noch eine geheime Interpretation gibt, die nicht niedergschrieben werden kann, sondern vom Meister an den Schüler weitergegeben werden muss. Seine im ersten Kapitel des Werkes gegebene Definition der Magie war: „Magie ist eine Fähigkeit von wunderbarer Tugend, voll von höchsten Mysterien, die tiefgehendsten Betrachtungen geheimster Dinge enthaltend, zusammen mit der Natur, Kraft, Qualität, Substanz und deren Tugenden, wie auch des Wissen über die ganze Natur, und sie unterrichtet uns sowohl in der Unterscheidung als auch im Annehmen der Dinge um sie her, wenn sie ihre wunderbaren Wirkungen erzeuget im Vereinigen der Tugenden von Dingen durch die Anwendung jener der anderen, und so die minderwertigen Subjekte durch die Kräfte und Tugenden der besseren Körper miteinander verbindet und verstricket. Dies ist die perfekteste und oberste Wissenschaft, die heilige und erhabene Art der Philosophie, und schließlich die absolute Perfektion der ausgezeichnetsten Philosophie.“(3)
Seiner Ansicht nach hatte ein wahrer Magier in vielen Disziplinen ausgebildet zu sein: Naturphilosophie, Mathematik, Arithmetik, Musik, Geometrie, Optik, Astronomie und Physik, Theologie usw. Er glaubte an die Einheit aller traditionellen Wissenschaften. Ihm zufolge ergänzten und bestärkten sie alle einander und die Kenntnis von ihnen allen war eine Notwendigkeit für einen Magier. Deshalb präsentieren die drei Teile seiner okkulten Philosophie solche Aspekte des Okkulten wie: Naturmagie (auf die Erforschung der drei Welten gerichtet: Die elementale, die himmlische und die intellektuelle), Numerologie und die Geheimnisse der kosmischen Harmonie und schließlich der Beschreibung der Hierarchie von Engeln und Dämonen folgende Zeremonialmagie.
Agrippa ist der wahrscheinlich bekannteste Magier der Renaissance, der mit dämonischer schwarzer Magie in Verbindung gebracht wird. Es ist bezeichnend, dass er selbst für seine Zeitgenossen eine „lebende
Legende“ war. Man hielt ihn allgemein für einen Zauberer, der schwarze Magie praktizierte. Man glaubte, er habe eine magische Kugel, in welcher er entfernte Orte sowie vergangene und zukünftige Ereignisse sehen könne. Agrippa selbst achtete sehr auf sein Image als
„geheimnisvoller Magier“. Er behauptete beispielsweise, der größte Teil seines Wissens sei das Ergebnis von Kontakten zu Dämonen. Es gab auch Geschichten darüber, dass Agrippa überall hin in Begleitung eines schwarzen Hundes zu gehen pflegte. Das Tier hielt man für seinen Vertrauten, einen Dämon in Gestalt eines Hundes. Dieses Gerücht verband seinen Namen mit den Legenden um Faustus – z.B. kann in Philip Melanchtons Biografie des Johannes Faustus eine ähnliche Aufzeichnung gefunden werden, nach der der Protagonist stets von einem schwarzen Hund begleitet wurde. Natürlich war das kein gewöhnliches Tier, sondern Mephistopheles selbst. Ein anderes Gerücht beschrieb Agrippas Fähigkeiten, mit den Toten zu kommunizieren. Einmal beschwor er auf Bitte von Lord Surrey und seinem Hof angeblich den Geist von Cicero. Es gab auch eine Geschichte von einem Schüler Agrippas, der zu seinem Unterricht kam, als der Gelehrte abwesend war. Der junge Lehrling evozierte einen mächtigen Dämon durch einen Spruch aus Agrippas Zauberbuch, doch er war zu schwach, die Kreatur zu beherrschen. Der Geschichte zufolge tötete der Dämon den Lehrling. Als Agrippa zurückkam und sah, was geschehen war, zwang er den Dämon, in den Körper des Jungen zu fahren und in die Stadt zu gehen, so dass jeder den Lehrling sehen konnte. Der Gelehrte wollte nicht des Mordes an einem unglücklichen Schüler beschuldigt werden. Der besessene Körper verließ Agrippas Haus und ging durch die Stadt, bis der Dämon ihn verließ. Dann fiel er zu Boden, als hätte der Junge einen plötzlichen Anfall gehabt und sei eines natürlichen Todes gestorben (2).
Agrippas Ruf als Zauberer wurde durch das Erscheinen von „Das vierte Buch der okkulten Philosophie“ bestärkt, vermutlich eine Ergänzung zu seiner „De occulta Philosophia“. Das vierte Buch erlangte wegen der Erwähnungen und Beschreibungen schwarzer Magie, Nekromantie, Evokation von Dämonen usw. einen schlechten Ruf. Es erschien über dreißig Jahre nach Agrippas Tod auf Lateinisch und seine Urheberschaft wurde oft in Frage gestellt. Das Buch lässt sich über einige besondere Themen aus den voran gegangenen drei Büchern aus, meist diverse Techniken des Rufens von Geistern betreffend – und was bezeichnend ist: Nicht nur himmlischer, engelhafter Kräfte, sondern sogenannter „böser Geister“. Der erste Teil des Werkes beschreibt Methoden zur Extrahierung von Namen, Namen guter und böser Geister, die sich auf die sieben Planeten beziehen. Dann erklärt der Autor, wie aus Linien und Köpfen bestehende Zeichen herzustellen sind und liefert eine tabellarische Zusammenstellung der geläufigsten Formen, die mit Geistern und den ihnen zugehörigen Planeten in Verbindung gebracht werden. Es gibt auch eine Abhandlung über Pentakel und Sigillen, die Weihung der Instrumente, die in Ritualen und Zeremonien benutzt werden und die Vorbereitung des Liber Spiritum (Buch der Geister). Die Anweisungen für die Kommunikation mit bösen Geistern entsprechen denen, die in anderen Grimoires gegeben werden. Vor dem Beschwören eines Geistes hat der Magier verschiedene grundlegende Dinge zu beachten: Welcher Planet dazu in Beziehung steht, seine Eigenschaften, die genehmste Zeit für die Operation, die Qualität der Luft und den geeigneten Ort für einen magischen Kreis. In den Kreis hat der Magier die passenden Namen zu schreiben: Den des beschworenen bösen Geistes und den des guten, der ihn bezwingen können sollte, und auch bestimmte Zeichen und Pentakel zu Bewehrung des Ortes. Wenn die Vorbereitungen vollendet sind, weihen der Magier und sein Assistent den Kreis und beginnen die Zeremonie.
Agrippa gibt Eigenschaften der möglichen Formen an, die die Geister der verschiedenen Planeten annahmen: Saturn, Jupiter, Mars, Venus, Merkur, und auch die Sonne und der Mond. Der letzte Teil des Buches enthält eine kurze Beschreibung nekromantischer Operationen zur Beschwörung der Geister der Toten, welche interessant ist, da solche Beschreibungen in anderen Grimoires nur selten gegeben werden. Agrippa zufolge muss der Magier zur Anrufung solcher Geister Blut verwenden, oder einen Teil des Körpers des Toten, Knochen des Toten, Fleisch, Eier, Milch, Honig und Öl. Die Operation ist an verwunschenen Orten durchzuführen oder dort, wo die beschworene Person viel Zeit verbrachte. Die passendsten Orte für eine solche Zeremonie wären ein Kirchhof oder ein Platz, an dem Verbrecher exekutiert wurden, oder wo viele Leute eines gewaltsamen Todes starben. Die Zeremonie bezog künstliche Lichter mit Inschriften von Namen und Siegeln ein (4).
Wegen dieser Legenden und Schriften wurde Agrippa eine sehr berühmte und einflussreiche Figur im zeitgenössischen Europa. Sein Name wird in vielen literarischen Werken des sechzehnten Jahrhunderts erwähnt, wie z.B. Thomas Nashes „Der unglückliche Reisende“. Kein Wunder, dass er einen großen Einfluss auf die Gestaltung der verschiedenen Legenden und Geschichten über Faustus hatte. In Christopher Marlowes berühmtem Drama „Dr. Faustus“ erscheint Agrippa als eine historische Figur und als eins von seinen Wesen. Faust ruft ihn, um Unterstützung bei magischen Praktiken zu erhalten. Marlowes Faustus selbst ist ein Charakter, der nach Agrippa und Geschichten aus dessen Leben modelliert ist. In späteren Jahrhunderten wurde das Bild von Agrippa von vielen Schriftstellern aufgenommen und diente als Vorlage für viele literarische Protagonisten. Unter ihnen waren Gestalten wie der Magier aus Marguerite Yourcenars „L'oeuvre au noir“ (1968) und natürlich die berühmteste Faust-Gestalt, die Goethe in seinem Drama erschuf.
Edward Kelly
Edward Kelly (1555-1595), der berüchtigte Assistent des bekannten elisabethanischen Magiers John Dee, war in der Renaissance eine derjenigen Gestalten, die am meisten mit schwarzer Magie und dämonischen Praktiken in Verbindung gebracht wurden, und wurde oft lediglich als Schwindler und Scharlatan bezeichnet. Es gab jedoch bestimmte Dinge, die nahe legen, dass er wohl doch mehr als nur ein Gaukler war. Crowley hatte eine sehr hohe Meinung von Kelly. Ihm zufolge war Kelly ein Genie und ein sehr fähiger Magier. Crowley hielt
sich selbst für eine Reinkarnation von Kelly. Kellys Ruf als Schwarzmagier wurzelte in seinem Interesse an Alchemie, Dämonen, Nekromantie und anderen okkulten Künsten jener Zeit. Man sagte, er experimentiere mit Alchemie und versuche Gold herzustellen. Ein Stich aus dem achtzehnten Jahrhundert aus Ebenezer Siblys „Eine neue und vollständige Illustration der okkulten Wissenschaften“ zeigt Kelly bei einer Zeremonie zur Anrufung des Geistes eines Verstorbenen. Kelly steht mit einem Gefährten (wahrscheinlich Paul Waring) in einem magischen Kreis, mit einem Stab und einem Zauberbuch in den Händen, und kommuniziert mit dem beschworenen Geist. Die Szene findet auf einem nächtlichen Friedhof statt (6). Dies ist die Widerspiegelung der Gerüchte über Kellys nekromantische Beschäftigungen und seine Neigung zu schwarzer Magie.
Am berühmtesten war jedoch Kellys Zusammenarbeit mit John Dee. Dee und Kelly begegneten sich im Jahre 1582. In den vorangegangenen Jahren führte Dee viele magische Experimente durch, immer mit jemand anderem zusammen:
Nach den erhaltenen Aufzeichnungen können wir Dees Experimente wie folgt beschreiben. Dee arbeitete stets mit einem Seher, der in Dees „Sehstein“, d.h. eine Kristallkugel, oder in einem „magischen Spiegel“ aus Obsidian sah. Dee pflegte jede Sitzung mit einem leidenschaftlichen Gebet zu beginnen. Der Seher sah dann in den Sehstein und beschrieb die Visionen, die er erlebte. Während dessen schrieb Dee auf, was der Seher sagte und richtete oftmals Fragen an die Wesenheit, die in dem Kristall vermutlich erschien. Die erste aufgezeichnete Sehersitzung im Jahre 1581 begann mit einem Gebet Dees an einen Engel namens Anael, dass dieser Saul in der Kristallkugel erscheinen möge. Dee schrieb die Aufzeichnung der Sitzung, als würde er sich direkt mit Anael unterhalten, aber wir können annehmen, dass Saul als „Sprachrohr“ der Erscheinung in dem Kristall agierte (5).
Kelly verbündete sich mit ihm im März 1582 und von da an war er der einzige Assistent während der Sehersitzungen und Experimente, die zur Begründung der Henochischen Magie führten. Dees Ruf war zu seiner Zeit ebenfalls nicht perfekt. Er wurde von den Gelehrten und Herrschaften am Hofe respektiert, doch zur selben Zeit gab es Gerüchte, er wäre ein Zauberer, oft wurde er auch ein „Beschwörer“ genannt. Seine Zusammenarbeit mit Kelly, der ohnehin für einen Schwarzmagier gehalten wurde, sorgte für eine Menge weiterer Gerüchte. Ihre Arbeit basierte auf geteilten Aufgaben: Dee agierte als Redner, der Gebete rezitierte, um Geister zu evozieren, die sich in einem Seherstein manifestieren sollten, der dafür vorbereitet war. Kelly war das Medium: Er beobachtete den Stein und berichtete alles, was er sah oder hörte. Gleichzeitig schrieb Dee alles nieder, was er sagte. Kellys Herkunft war in den Schleier des Geheimnisses gehüllt. Außer wenigen Bruchstücken von Informationen ist über ihn vor seiner Begegnung mit Dee nicht viel bekannt. Kelly selbst betrachtete sich als einen Alchemisten. Er veröffentlichte drei alchemistische Werke: „The Stone of the Philosophers“ (Der Stein der Weisen), „The Humid Way“ (Der feuchte Weg) und „The Theatre of Terrestrial Astronomy“ (Das Theater der irdischen Astronomie). Er hatte jedoch ein großes Interesse an der zeitgenössischen dämonischen Magie und war wahrscheinlich mit den berühmtesten Grimoires vertraut. In seinen magischen Tagebüchern schreibt Dee, dass Kelly sich oft über die Einmischung „böser Geister“ beklagte und er wahrscheinlich nicht mit dem Praktizieren dämonischer Magie aufgehört hatte, seit er an den Sehersitzungen teilnahm. Er argwöhnte auch, dass die Geister, die er während dieser Sitzungen kontaktierte, nicht immer „Engel“ waren, da einige der Dinge, die sie Kelly sagten, ihn an ihrem „himmlischen“ Status zweifeln ließen. Das berühmteste Beispiel war die Frauentausch-Episode – ein „Engel“ sagte Kelly, dass sie ihre Frauen tauschen und ihnen gemeinsam beiwohnen sollten, was sie auch taten. Das war wahrscheinlich einer der Gründe, weshalb Dee sich bald darauf zu einem Abbruch der Beziehung zu Kelly entschied (5). Dieses Beispiel spricht auch für die Theorie, dass die Botschaften von Geistern eher Produkte von Kellys Imagination waren. Es gab natürlich noch weitere Beispiele solch fragwürdiger Engelsbotschaften. Einam erschien Kelly der Engel Uriel und befahl Dee, seinem „getreuen Assistenten“ ein Gehalt von 50 Pfund pro Jahr zu zahlen (1). In einem Fragment seines Tagebuchs schreibt Dee, dass die Geister Kelly zu überreden versuchten:
„- Dass Jesus kein Gott war.
–Dass kein Gebet an Jesus gerichtet werden soll.
–Dass es keine Sünde gibt.
–Dass die menschliche Seele aus einem Körper in den eines anderen Kindes gehen kann zur Beschleunigung oder Belebung
–Dass es immer so viele Männer und Frauen gegeben hat, wie es jetzt
gibt (...)
–Dass die Generation der Menschheit nach Adam und Eva keine historische Begebenheit ist, sondern eine Schrift, die eine andere Bedeutung hat
–Sie kannten keinen heiligen Geist
–Sie würden nicht dulden, dass er zu Jesus Christus bete, sondern würden ihn tadeln, sagten, dass er Gott seiner Ehre beraubte usw.“(8)
Kelly war jedoch tatsächlich ein eifriger Assistent. Er widmete den Experimenten mit Dee viel von seiner Zeit und arbeitete viele Jahre hindurch mit ihm bis zu ihrer Trennung. Wie er oft beklagte, war er sich darüber im Klaren, dass die Visionen und Stimmen, die er wahrnahm, nicht unbedingt „Engel“ waren. Ganz im Gegenteil – er argwöhnte, dass sie dunkle Manifestationen seines Unbewussten sein könnten; manchmal war er überzeugt, dass sie nichts anderes als Dämonen sein könnten. Dee nahm sie niemals selbst wahr, deshalb waren es seiner Meinung nach „Engel“ und Kellys Eindrücken von ihrem dämonischen Charakter glaubte er nicht.
Johann Weyer
Johann Weyer (1515-1588) war ein Schüler von Agrippa und glaubte fest an die Magie. Er war auch ein berühmter Gelehrter auf dem Gebiet der Medizin und wegen seines tiefgehenden Interesses an den Mechanismen des menschlichen Geistes ein Pionier der Psychiatrie. Sein berühmtestes Werk ist „Praestigiis Daemonum“ (1563), eine Widerlegung des „Malleus Maleficarum“ – des einflussreichsten Hexenjäger-Handbuchs der Renaissance. Weyer war überzeugt, dass Frauen, die der Hexerei beschuldigt wurden, in Wirklich geistig gestörte Personen waren und keine Exorzismen, sondern eine medizinische Behandlung brauchten. Er kritisierte mehrfach die grausamen Strafen, die von Gesetzes wegen auf Hexerei standen und plädierte für Nachsicht mit den beschuldigten Personen.
Dennoch stellte Weyer die Existenz von Teufeln und ihren Einfluss auf
das menschliche Leben nicht in Frage. In seinem Buch beschreibt er sehr detailliert alle dämonischen Kräfte und die Gefahr, die von ihren Vertretern ausgeht – Magiern und Giftmischern (jedoch keine Hexen). Ihm zufolge verursachten Giftmischer mit des Teufels Hilfe körperliche
Schäden, doch Magier seien weitaus schlimmer. Während Hexen dem Teufel dienten, weil ihr Wille nicht stark genug sei, um seinen Versuchungen zu widerstehen, seien Magier Menschen mit starkem Willen, die sich bereitwillig Anweisungen von Dämonen geben ließen. Ihm zufolge versuchten Magier die Naturgesetze zu überwinden und kommunizierten in ihrem Streben nach Macht bereitwillig mit den Kräften des Bösen. Das macht sie zu den Vertretern des Teufels – bewusste Verfolger des bösen Pfades.
Wichtig ist jedoch, dass Weyer seinem monumentalen Werk als Anhang eine Liste von Dämonen hinzufügte. Er nannte diesen Katalog „Pseudomonarchia daemonum“ und bezog ihn auf Quellen wie „Liber officiorum spirituum, seu Liber dictus Empto. Salomonis, de principibus & regibus demoniorum“ („Buch von den Ämtern der Geister, oder das Buch der Sprichwörter von Empto. Salomon über die Prinzen und Könige der Dämonen“). Tatsächlich ähnelt „Pseudomonarchia daemonum“ ganz klar der Goetia – es sind fast dieselben Wesenheiten, manche mit leicht variierten Namen. Ähnlich wie in der Goetia liefert Weyer Beschreibungen jedes Dämons betreffs ihrer Namen, möglichen Gestalten, Eigenschaften und ihrer Hierarchie. Aber es gibt auch Unterschiede. In Weyers Text gibt es keine Dämonensiegel, und die Geister werden durch eine einfache Beschwörung invoziert, nicht durch ein kompliziertes Ritual wie in der Goetia. Die Anordnung und Zahl der Geister ist auch anders. Statt der 72 Dämonen der Goetia beziffert Weyer 68 Geister in einer ganz anderen Reihenfolge. Die Dämonen sind im Allgemeinen dieselben, bis auf die fehlenden: Vassago, Seere, Dantalion und Andromalius (7).
Trotz Weyers Abneigung gegen Magier wurde sein „Pseudomonarchia daemonum“ weithin von zahlreichen Praktizierenden der schwarzen Künste benutzt. Paradoxer Weise wurde es zu einem der einflussreichsten Texte über dämonische Magie im 16. Jahrhundert.
Pico della Mirandola:
Ein moderner Magier im Italien des XV. Jahrhunderts Meg hat in ihrer Übersicht über die wichtigsten Meister der Magie in der Renaissance ein klares und detaillieres Bild von Europas magischer Landschaft während der Jahrhunderte der Renaissance gezeichnet. Der Leser kann sich jetzt eine Vorstellung davon machen, wie stark im philosophischen Umfeld (wo die magische Praxis oftmals moralische Unterstützung erhielt) die Trennung zwischen dämonischer und natürlicher Magie war. Jeder einzelne Autor, Philosoph oder Praktizierende der magischen Künste, erhob starken Anspruch darauf, ein Anhänger des natürlichen Pfades zu sein, unabhängig davon, in welche Forschungen er tatsächlich verwickelt war. Um sich vor Beschuldigungen und drohenden Verhaftungen zu schützen, versicherten die meisten Autoren der Renaissance – bis auf wenige Ausnahmen – ihre Hingabe an die „edlen Absichten“ der natürlichen Magie. Der Diskussion um diese – oftmals subtile – Trennlinie zu angemessen zu folgen würde den Rahmen dieses Artikels überschreiten. Grob kann man sagen, dass natürliche Magie von der sogenannten „dämonischen“ unterschieden wurde, weil sie sich allein mit der „lunaren“ und der „sublunaren“ Welt beschäftigte, sozusagen mit den Energien und okkulten Eigenschaften der Erde. Das Reich der dämonischen Magie war statt dessen jenes der Zeremonialmagie und Hexerei, einer Magie, die sich mit anderen Welten und Dimensionen der Existenz beschäftigte, und damit viel gefährlicher für die Kirche, die ihren exklusiven Begriff von außerweltlicher Theologie bewahren wollte. Diese Schmähreden wurden jedenfalls überall verbreitet (9); interessant ist für uns, dass unter dem Etikett „natürlicher“ oder „spiritueller“ Magie viele Praktizierende der okkulten Künste ihre unorthodoxen Experimente verbargen. Trithemius selbst – und andere – straften die „schwarze Magie“ öffentlich mit Verachtung, nur um in der Sicherheit ihrer Laboratorien tief in Experimente mit dämonischer Magie einzudringen.
Eine der interessantesten und am meisten unterschätzten Gestalten der italienischen Renaissance war der italienische Philosoph und Magier Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494). Als wichtigste nicht-jüdische Gestalt der westlichen Kultur, die in die Qabalah eingeführt war, verband er die qabalistische und die mittelalterliche Hermetik zu einem vollständigen System praktischer Magie, das jenen sehr nahe steht, die mehr als 400 Jahre später im westlichen Okkultismus herauf dämmerten.
Seit seiner Kindheit ein unruhiger und leidenschaftlicher Schüler, suchte er ständig nach der Grundlage eines Wissens, das imstande wäre, die simplen Dogmen des Christentums zu überschreiten, er wurde ein Liebhaber der philosophischen und esoterischen Wissenschaften, meisterte trotz seiner Jugend die hebräische Sprache wie kein anderer zeitgenössischer Schüler und lernte ebenso Chaldäisch und Arabisch. Im ersten Moment sah er den jüdischen Mystizismus als etwas an, das ihm neue Einsichten in die Mysterien des Christentums geben könnte; deshalb ging er mit Enthusiasmus an das Studium der theorethischen Grundlagen der Qabalah heran, um sein Lebenswerk zu verwirklichen: Eine vollständige Synthese des menschlichen Wissens und der Künste. Seine wichtigsten Einsichten kamen mit der Entdeckung der Werke von Abraham Abu'l-'Afiya, einem spanischen Juden des XIII. Jahrhunderts, der dem spanischen Zweig des Qabalismus folgte, der als „Shemot“ oder „der der Namen“ bekannt war, dem praktischen Teil der Qabalah. Abu'l-'Afiya entwickelte Meditationstechniken, die mit den verschiedenen Entsprechungen des hebräischen Alphabets verbunden waren, und deren Ziel einerseits das mystische und gnostische Wissen Gottes war und – auf einer weniger orthodoxen Seite – waren sie dafür gedacht, die Worte der Kraft der hebräischen Sprache zu benutzen, um Engel und andere astrale Wesen zu kontaktieren und zu kontrollieren, und auch Veränderungen auf der materiellen Ebene zu bewirken (11).
Pico wurde mehr und mehr fasziniert von den Systemen des Abu'l-'Afiya. Er sah die Techniken des spanischen Qabalisten wahrscheinlich als einen pragmatischen Weg an, um jenseits der beschwerenden religiösen und philosophischen Strukturen tief in das Göttliche einzudringen. Der „Pfad der Namen“ war ein reales und wirksames System, das Wissen von der anderen Seite bringen konnte und über die Sphäre der Handlung auf der Erde und die „gute Magie“ hinaus reichte – jenes, das von Marsilio Ficino und an den italienischen und europäischen Schulen der Hermetik gelehrt und auferlegt wurde.
Pico schaffte einen ersten „Durchbruch“ mit der Definition der ars combinandi (lat.: Die Kunst des Verbindens) der Qabalah, einer sehr hohen magischen Kunst, die die überlegenen Dinge jenseits der Sphäre des Mondes behandelt: „Der höchste Teil der natürlichen Magie“. Dies war sehr revolutionär; die dünne Trennlinie zwischen der gerade noch akzeptierten natürlichen und der dämonischen Magie verlief genau zwischen dem entlang, worum es sich bei der sublunaren (irdische) Sphäre und den superlunaren (himmlischen, stellaren und höllischen) Reichen handelte (12). Pico hatte der Magie neue Würde verliehen. Er nannte sie noch immer „natürliche Magie“, selbst die „höchste“, doch war definitiv eine Trennlinie überquert: Das Interesse bestand nun darin, die „Kräfte der übernatürlichen Sphären, jenseits der Sterne, zu kanalisieren“ (13). Später wird er sogar zugestehen, dass die qabalistische Magie eine höhere Form der Magie als die natürliche ist, und es ist nicht überraschend, dass die Kirche alle 900 Behauptungen seines bedeutenden Werkes „Conclusiones“ verdammt. Bei seiner Erforschung der qabalistischen Magie kommt Pico zur Erkenntnis der identischen Natur der guten und bösen Formen der jüdischen Magie. Die bösen Qabalisten – versichert Pico della Mirandola – ,jene, die Dämonen invozieren und kommandieren, beziehen ihre Kraft von Solomon und Enoch, aus derselben Quelle wie die „guten“ Qabalisten, es endet nur unterschiedlich. Die bösen Qabalisten invozieren böse Dämonen, während die guten die Einsicht haben, nur mit Engeln zu arbeiten, doch Pico erkannte die gemeinsame Quelle beider Haltungen als Tatsache, selbst wenn er jeden vor der Arbeit mit der dunklen Seite der Qabalah warnte.
Sicher ist, dass von da an die philosophischen Werke von Pico della Mirandola reich an magischen Elementen und Entschuldigungen der magischen Künste sind; es ist, wie Frances Yates sagt, nicht mehr wirklich möglich, zwischen Mystizismus und Magie bei Pico zu unterscheiden. Seine Schriften sind voll von Bezügen zu magischen Operationen, von einem Aufstieg durch die Sephiroth und Kontakten mit äußeren Wesen. Als erster unter den vielen Studenten der okkulten Künste, die vor und nach ihm kamen, sprach Pico darüber, wie der Astralkörper durch ekstatische Arbeiten zu lösen sei; er bezog sich oft auf den Aufstieg einer feurigen Energie, die eine Art von Tod bringe, den er mors osculi (Kuss des Todes) nannte. Das klingt ganz ähnlich wie die Beschreibungen der Kundalini in den tantrischen Texten über Samadhi und den Aufstieg der Schlangenkraft durch Sushumna. Seine Warnungen betreffs der dunklen Seite der Qabalah sind häufig, doch aus vielen Hinweisen können wir erkennen, dass er ein direktes Wissen darüber hatte.
Er unterstrich oft, wie wichtig es sei, die guten Engel von den bösen zu unterscheiden, und geeignete Reinigungerituale vor jeder magischen Operation durchzuführen. Wie er in einem seiner Werke feststellt: „Qui operatur in Cabala... si errabit in opere aut non purificatus accesserit, deuorabitur ab Azazale...“(14)
(lat.: Wer mit der Qabalah arbeitet, und eine Arbeit misslingt, oder er geht nicht gereinigt daran, wird von Azazel verschlungen.) Die Furcht vor der Begegnung mit bösen Astraldämonen war einer der Hauptgründe, weshalb die natürliche Magie stets jede Art von Kontakt mit der anderen Seite zu vermeiden suchte.
Ebenfalls bemerkenswert sind die Korrespondenzen, die Pico zwischen den zehn aristotelischen Sphären und den zehn Sephiroth deutlich machte. Seine Intuition brachte ihn dazu, die aristotelische Vorstellung des Kosmos nicht als allein physisch zu verstehen, sondern als sich in die höheren Sphären erstreckend. Er erstellte den folgenden Plan:
Sephiroth Sphären
1.Kether Primum Mobile
2.Chokmah Achte Sphäre
3.Binah Saturn
4.Chesed Jupiter
5.Geburah Mars
6.Tiphereth Sonne
7.Netzach Venus
8.Hod Merkur
9.Yesod Mond
10.Malkuth Elemente
Unnötig zu sagen, dass dies die Hauptzuerkennungen der zehn Sephiroth wurden, die später vom Golden Dawn und vielen anderen magischen Orden des Westens übernommen wurden. Wir müssen seine Schriften auch im Kontext mit dem Klima seiner Ära sehen. Die Kirche und die traditionellen philosophischen Kreise verdammten strikt alle Arten verdächtiger Lehren, und obwohl im Italien des XV. Jahrhunderts nicht die Extreme herrschten wie zur Zeit der Gegenreformation wenige Jahrzehnte später, wurde ein magisches System, wie Pico es entwickeln wollte, stark bekämpft.
Er versuchte durch Verbindung von Theorie und Praxis ein mystisch-magisches System zu etablieren, das auf der Erhebung des Menschen über seine Grenzen beruhte, und jenseits aller begrenzenden Dogmen lag. Pico behauptete, ein Christ zu sein, aber nach einem eher mystischen Verständnis des Begriffs. Sein Verlangen nach Einheit mit Gott erinnert an die asketische Einstellung der Taoisten und Zen-Mystiker, eine Art von Transzendenz und Wissen über das Jenseitige. Er stellte als Erster die Theorie auf, dass der Mensch ein Magier sei, der fähig ist, durch Benutzung von Magie und Qabalah sein „Schicksal zu gestalten“ (14), jenseits von Religion und irgendwelchen Grenzen. Es ist keine Überraschung, dass ihm das nicht die Sympathie der Kirche einbrachte. Sogar noch häretischer war die Einbindung der gnostischen Häresie des „Est Deus In Nobis“ (lat.: Gott ist in uns) in sein System; der Magier benutzt den göttlichen Funken, der tief in ihm liegt, als Treibstoff für seine magischen Operationen, und das hilf ihm dabei, wieder göttlich zu werden, sich mit Himmel und Hölle, der Erde und den höheren Dimensionen zu vermählen. Bedenkt man die historischen Zusammenhänge, in denen er lebte, machen ihn seine Behauptungen zu einem der revolutionärsten und einflussreichsten Autoren der Magie und Philosophie der Renaissance; den Widerhall seiner Gedanken und Werke finden wir bei Autoren, die Jahrhunderte nach ihm kamen. Auch aus historischer Sicht ist sein Werk von großer Bedeutung. Er war der erste der westlichen Gelehrten, der die praktische und magische Natur der Qabalah verstand. Von ihm ausgehend wurde die Qabalah definitiv zum Kern der „kulturellen Bildung des Magiers der Renaissance“, um noch einmal den Magiegelehrten Frances Yates zu zitieren. Er bezahlte seine revolutionären Ideen und seinen syncretistischen Geist mit lebenslanger Verfolgung durch die Kirche, die zu seinem frühen Tod führte. Im Alter von 31 Jahren wurde er in Florenz durch ein Gift-Attentat getötet, nachdem alle Anschuldigungen gegen ihn offiziell aufgehoben wurden.
Der hermetische Messias: Frances Yates Interpretation von Giordano Bruno
Fußnoten:
1. Andre Nataf: Dictionary of the Occult
2. Michael Baigent, Richard Leigh: The Elixier and the Stone
3. Agrippa: Drei Bücher der okkulten Philosophie
4. Das vierte Buch der okkulten Philosophie
5. Alex Summer: John Dee
6. A.E. Waite: The Book of Spells
7. Johann Weyer: Pseudomonarchia Daemonum
8. T. Apyrion: Sir Edward Kelly
9. D.P. Walker: Spiritual and Demonic Magic from Ficino to Campanella
10. G. Scholem: Mayor Trends in Jewish Mysticism
11. P.Zambelli: L'ambigua natura della Magia
12. F. Yates: Giordano Bruno and the Hermetic Tradition
13. G. Pico della Mirandola: De hominis dignitate, Heptaplus, De ente et uno
14. F.A. Yates: ebenda
Zurück |
|