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Interview mit Holger Kliemannel von der deutschen Loge Thagirion des magischen Ordens Dragon Rouge Die hier publizierte Version ist gekürzt und teilweise aktualisiert. F: Wie hast Du persönlich Deinen Weg zu Dragon Rouge gefunden? A: Es ist mir zwar peinlich, aber ich fand den Weg zu Dragon Rouge wie viele der deutschen Mitglieder: über die Band THERION alias Christofer Johnsson (1). Mir sind die Texte aufgefallen, die allesamt von dunkler Magie berichten. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch sehr tief im Schamanismus verwurzelt und kümmerte mich um die politische Situation der Indianer (in dieser Zeit leitete ich den von mir gegründeten gemeinnützigen Verein "Sand Creek Gruppe Hagen e.V."), mit Magie hatte ich mich noch nie richtig auseinander gesetzt. Aber die Texte schienen mir gut durchdacht und sinnvoll, wenn auch sie mich verwirrt haben. Und gerade diese Verwirrung hat mein Interesse geweckt. Ich vernahm dann durch Zufall, dass Therion hier in Hagen in den Woodhouse-Studios ihre neue Platte mit dem Titel ?Vovin" (henochisch für ?Drache") aufnehmen, und kurz entschlossen ging ich hin und machte mit Christofer und Tommie ein Interview über Magie, welches ich in Hag & Hexe veröffentlichen wollte (es ist aber nie dazu gekommen, da Hag & Hexe kurz danach das Zeitliche segnete). Sie waren sehr offen und äußerst nett, und wir trafen uns von da an jeden Tag. Sie waren froh jemanden zu haben der sie zu den Kultplätzen in und um Hagen führte, und ich konnte in aller Ruhe einen Einführung in die magische Welt von DR genießen. Bei ihrer Abreise machte ich nach ausführlichen Diskussionen über die Arbeit von DR die Mitgliedschaft. Im Sommer des gleichen Jahres kamen sie mit 2 weiteren Brüdern aus Schweden und Finnland zu Besuch, und seit dem ist dieser Besuch eine alljährliche Tradition. Wir sind mittlerweile die besten Freunde geworden, und unsere Freundschaft hat nichts mit DR oder Therion zu tun. Auch wenn viele Mitglieder durch Therion auf uns aufmerksam geworden sind, so ist Dragon Rouge weder ein "Metal-Orden" noch Therion eine "Dragon Rouge - Band" wie fälschlicher Weise oft angenommen oder behauptet wird. Christofer Johnsson ist vom inneren Kreis, und Therion ist sein Beruf. F: Meines Wissens ist Dragon Rouge noch ein sehr junger Orden. Gibt es trotzdem schon so etwas wie eine Ordensgeschichte? A: Jeder Orden, jeder Mensch hat seine Geschichte, egal wie alt oder jung er / sie ist. DR wurde Sylvester 1989 / 1990 offiziell durch ein Ritual eröffnet, und unsere Geschichte beginnt eigentlich schon früher. Genau genommen dort, wo die nächste Frage anfängt, nämlich bei der Gründung von DR aufgrund der Yezidi-Magiern. F: Ich habe mal etwas von einer Legende munkeln hören, dass ein Kreis von Yezidi-Magiern die Idee zur Gründung gegeben haben soll. Was ist da dran? A: Sehr viel :-) Ich bin bei solchen "Behauptungen" auch immer sehr skeptisch und kann diese Frage daher gut verstehen. Yezidi ist genau wie das Judentum eine Volksreligion, d.h. man wird entweder in sie hineingeboren oder der Zutritt zu dem internen Wissen bleibt einem verwehrt. Trotzdem existiert eine magisch arbeitende Gilde, die in das geheime Wissen der Yezidis eingeweiht wurde, und diese Gilde vererbte Thomas Karlsson sowie 6 weiteren Leuten die heiligen Schriften der Yezidis sowie anderes Material, welches genau genommen eigentlich nichts mit der Religion der Yezidis zu tun hat. Auch wenn wir Aufgrund dieser Yezidi-Magier gegründet wurden, so ist DR keinesfalls eine religiöse Organisation. Wir studieren zwar ab dem Grad 3.0 Samael die esoterischen Aspekte der Yezidi, jedoch lehnen wir jegliche religiöse Gesetze ab. Bei uns gibt es keine Vorschriften oder Einschränkungen was man zu glauben oder zu tun hat und was nicht. Viele Leute halten diese Geschichte für unglaubwürdig wie jüngst ein Eintrag im Gästebuch auf unserer Homepage zeigt. Mir persönlich ist es schnuppe ob diese Geschichte wahr ist oder nicht (ich glaube sie, da ich einen Einblick in die Unterlagen hatte, die in unserem Tempel in Schweden liegen), wichtig ist die Arbeit die wir leisten, egal ob von Yezidi-Magiern veranlasst oder nicht. Wenn die Leute an dieser Geschichte zweifeln auch gut, den dies hat keinen Einfluss auf das Verhältnis zwischen DR und dieser Person. Es liegt uns fern jeden von der Wahrheit dieses Ereignisses überzeugen zu wollen. F: Kannst Du ein paar Worte zu den Yezidis sagen und warum gerade sie eine drakonische Tradition darstellen? A: Es gibt viele Arten von Drachenkräften oder Impulsen. Eine der wichtigsten Energiequellen, mit denen wir sehr viel arbeiten, wird u.a. auch Kundalini genannt. Die Yezidis arbeiten ebenfalls viel mit der Kundalini und der äußeren Welt-Kundalini, die in ihren Abbildungen als roter Drache dargestellt wird. Ich hab mal eine yezidische Darstellung der Welt gesehen, auf der in der Unterwelt ein roter Drache war, der Melek-Ta'us, den Engel Pfau, darstellte und die Kundalini symbolisierte. Sie kennen das Konzept des roten Drachen und sind mit der drakonischen Tradition vertraut. Die Yezidis glauben nicht an den Teufel oder dem bösen wie ihnen immer nachgesagt wird. Es ist ihnen sogar verboten, den Namen Satans (Shaitan, Iblis) auszusprechen. Soweit mir bekannt ist, weinte ihrer Lehre nach der gefallene Engel so lange, bis er die Feuer der Hölle mit seinen Tränen löschen konnte, also gibt es die Hölle für sie nicht mehr. Ihr Geheimkult soll in einer "Tauf"-Höhle in den Bergen nördlich von Mossul abgehalten werden, in der eine heilige Quelle entspringt und ein "Schwarzer Stein" verehrt wird. Neben dieser Höhle existiert eine zweite Höhle, die durch einen Tunnel erreichbar ist, die das Allerheiligste des Yezidikultes darstellen soll. Zu bestimmten Zeiten nimmt auf einem goldenem Thron Melek Ta'us platz und verkündet den 24 hohen Eingeweihten seine Weisungen. In dieser Höhle gibt es viele Darstellungen und Abbildungen, wie z.B. die schwarze Schlange, Krummstäbe, Axt, Blitzkeule etc. also Symbole, die auch in anderen antiken Religionen vorkommen. Das Konzept des Melek Ta'us besitzt unzweifelhaft luziferische Aspekte und ist es wert, genauer studiert zu werden. Aber da es sich um eine Volksreligion handelt, ist es sehr schwer, seriöse Unterlagen zu erhalten. Das in dem Heiligtum die schwarze Schlange abgebildet ist, ist umso interessanter, wenn man weiß, dass vor kurzem in Anatolien der älteste Tempel der Erde gefunden wurde. In dem 11.000 Jahre alten Tempel findet sich der Kult der schwarzen Schlange wieder. Und auch in den Mithras-Heiligtümern, die man in der Südost-Türkei ausgrub, war die schwarze Schlange präsent. Diese Mithräen sind um einiges älter als die europäischen, und die schwarze Schlange repräsentiert den Schatten der Kundalini und somit eine drakonische Tradition. F: Auf welche magischen Traditionen beruft sich Dragon Rouge noch? A: Eine unsere Haupt-Tradition ist die Kabbala, besonders die Schattenseite des Sephiroth, den Qliphoth. Unser Gradsystem ist nach den 11 Ebenen der Qliphoth benannt, aber dazu später mehr. Daneben spielt die nordisch-germanische Mythologie eine sehr wichtige Rolle bei uns. Unsere Loge zelebriert z.B. mit dem Urda-Clan die 8 Jahreskreisfeste, bei denen wir mit Runenyoga arbeiten, aus der Edda lesen, die entsprechenden Gottheiten anrufen udg. Al-Khemie und Tantra, aber auch das Henochische und das Adulruna und Uthark sind Systeme, mit denen wir arbeiten. Wir studieren alle Schriften und Systeme die uns ein Wissen über die dunkle Seite liefern. Aus diesem Grund hat die Philosophie bei uns einen hohen Stellenwert, genauso wie das psychologische Weltbild von C.G. Jung. In der Praxis ist das luzide Träumen, also der paradoxe Zustand des Wachseins im Schlaf im vollen Bewusstsein dessen, das man träumt, sehr wichtig. Jedem Mitglied ist es selbst überlassen, mit welchen Systemen er / sie arbeiten will / kann oder auch nicht. Wenn also jemand mit der Kabbala nicht klar kommt, so braucht diese Person auch nicht damit arbeiten. Wir bieten unseren Mitgliedern eine Anzahl von Möglichkeiten, und jeder nimmt das, was er am besten gebrauchen kann frei nach dem Motto ?DR ist wie eine Salatbar. Du nimmst Dir was Du magst, und den Rest lässt Du einfach liegen." F: Trotzallem scheint mir, dass ihr nicht so eingefleischte Traditionalisten seid. Eher magische Revolutionäre oder was noch? A: Traditionen sind was gutes, aber viele sind eben nicht mehr zeitgenössisch. Wir studieren die alten Traditionen, arbeiten sie neu auf und kreieren dann daraus was neues. Irgendwann in der Zukunft wird vielleicht ein Orden kommen, der unsere "Traditionen" aktualisiert, da sie nicht mehr zeitgenössisch sein werden. Magie bedeutet Weiterentwicklung. Das ganze drum herum bei einem Ritual dient nur der Schaffung einer Atmosphäre um so einen leichteren Zugang zu unserem Unterbewusstsein zu erlangen. Es gleicht sehr einem Psychodrama. Wenn ich für mich persönlich bestimmte Attribute nicht benötige, so lass ich sie einfach weg. Es ist das Ergebnis, was zählt, nicht die Aufmachung. Wer bei einem Ritual unbedingt rosa Kerzen und das dazugehörige Aura-Soma-Öl benötigt kann dieses gerne verwenden. Aber dann sollen diese Leute keine Bücher schreiben in denen sie behaupten, dass das ganze Ritual ohne diese Attribute wirkungslos bleiben wird. In der Magie des Abramelin zum Beispiel benötigt man einen geweihten, goldenen Spiegel damit man seinen heiligen Schutzengel finden kann (natürlich muss man reinem Herzens sein und ein gottesfürchtiger Mensch damit dies klappt). Mir persönlich reicht eine Glaskugel aus, und genauso erfolgreiche Resultate habe ich schon mit einer mit Wasser gefüllten Bratpfanne erzielt. In dem Buch von Frater Eremor gibt es eine Technik namens ?Wackelpeter", und diese ist genauso erfolgreich und manigfaltig einsetzbar wie eine Kristallkugel. Warum sollte also jemand hier auf Traditionen beharren wenn es auch leichter geht? F: Während z.B. in China der Drachen ein glückbringendes Symbol ist, fallen mir hierzulande nur die armen Lindwürmer der deutschen Heldensage ein, die alle samt und sonders von starken Rittern erschlagen wurden. Wie erklärst Du Dir diesen (kulturellen) Unterschied? A: Da muss ich Dir widersprechen. Das die Drachen die Kämpfe verlieren ist erst seit der Christianisierung so. In den Überlieferungen vor dieser Zeit gewannen sie meist die Schlachten. Und jene Geschichten, in denen sie verlieren, beschreiben in der Regel astronomische Ereignisse. Der Drache symbolisiert neben Stärke und Macht (daher war er auch ein Symbol der Könige) vor allem die in der Natur vorkommenden Energien, die von unseren heidnischen Vorfahren in Form der Naturreligionen verehrt wurden. Als dann die Christen ins Land kamen, verteufelten und dämonisierten sie diese Religionen, was zu folge hatte, dass die Drachen die Kämpfe verlieren mussten und lächerlich gemacht wurden, indem sie zu (Lind)-Würmern wurden. In den Geschichten, in denen sie von Rittern erschlagen werden, waren die Ritter immer brave Christen, die eine Jungfrau vor dem Opfertot befreien mussten. Aber vorher müssen die armen Frauen sich eine Predigt anhören warum sie zum Christentum konvertieren sollten. Nach der Befreiung und dem töten des Drachen hat sich die errettete Jungfrau und das ganze Dorf taufen lassen. Aus diesem Grund kann man in diesen Geschichten auch den Sieg der Christen über die Heiden sehen. Das in China der Drache noch so verehrt wird erkläre ich mir damit, das sie nicht so starken christlichen Einflüssen ausgesetzt waren wie wir. F: Was verbirgt sich speziell hinter dem ROTEN Drachen? A: Der rote Drache ist ein Symbol, welches sich in allen Kulturen wieder finden lässt. Der Drache steht für das Ursprüngliche, z.B. wie Tiamat in der sumerischen Mythologie das Chaos bzw. der uranfängliche Zustand repräsentiert. Die Farbe rot steht für Energie und Macht. Somit ist der rote Drache ein Symbol der ursprünglichen Lebenskraft, die Kräfte des Menschen und der Natur. Er steht für die ungebändigten Kräfte. Der Drache ist beides, die äußere und die innere personifizierte Kraft. In Wales zum Beispiel ist der rote Drache noch immer auf der Flagge zu sehen. Der rote Drache ist das Symbol der drakonischen Tradition. Diese Tradition war unter den Seth-Kulten im alten Ägypten und unter den Apep-Pharaonen verbreitet, unter den Leuten der gefiederten Schlange Quetzalquatl in Mexico, unter den Griechen und Römern in den Kulten von Typhon und Python (wir sagen drakonische Magie anstatt typhonische, da Typhon nur ein Drache aus einer Kultur ist. Wir aber arbeiten mit allen Drachen aus allen Kulturen), unter den Yogi und den Schlangenanbetern in Indien, unter den Yezidis in Kurdistan, den Damballah-Riten des Voodoo usw. Außerdem soll der französische Name Dragon Rouge eine Verbindung zu den alten Grimoires herstellen, insbesonderen dem "Le grand Grimoire" welches auch den Namen "Le Dragon Rouge" trägt. Im übrigen stammt die Formel, die wir mit am häufigsten benutzen (Ho Drakon Ho Megas = altgriechisch für "Der große Drache") aus diesem Buch. Viele vermuten dass wir sie aus der gnostischen Räucherung der Fraternitas Saturni übernommen haben und versuchen deshalb, Querverbindungen zwischen uns herzustellen. F: Die Mutterloge von Dragon Rouge sitzt in Schweden. Spielen daher nordisch-germanische Mythen, Symbole und Magiesysteme eine besondere Rolle bei euch? A: Bei allem Interesse an den Mythologien der anderen Völker darf der Mensch nicht seine eigene Wurzeln vergessen, und unsere Wurzeln liegen naturgemäß im nordischen. Ich empfinde es als sehr wichtig mit den magisch-schamanischen Systemen zu arbeiten, mit denen man verwurzelt ist. Diese Systeme haben sich den Gegebenheiten des Landes, der Heimat des Menschen, angepasst. Sie sind daraus entstanden. Mir persönlich fällt es leichter bei dem Zelebrieren der Jahreskreisfeste mir Freya oder Odin vorzustellen und mit ihnen zu arbeiten als wenn ich Legba oder Oya (beides Götter aus dem Voodoo) anrufen würde. Was weiß ich über sie? Nicht viel, nur das was ich über sie irgendwo lese oder höre, während dessen ich die Energien von Freya und Odin in den Kulten erfahren und spüren kann. Legba und Oya dagegen stammen aus ganz anderen kulturellen Gegebenheiten ab, und daher wird mir der Zugang zu ihnen viel schwieriger fallen als wenn ich etwas ?heimisches" Anrufe. Unsere Mitglieder in Argentinien, Spanien oder der Türkei zum Beispiel arbeiten gar nicht mit den nordisch-germanischen Mythen. Sie benutzen stattdessen ganz andere Systeme. F: In einem Interview mit der Zeitschrift SIGILL weist Thomas Tjärnbro von Dragon Rouge Schweden auf die Arbeit mit den Qliphoth hin, den in der klassischen Magie so verpönten und dämonisierten "Hüllen" der Kabbala. Was lenkt euer Interesse auf dieses sonst so ausgegrenztes Thema? A: Das es ausgegrenzt ist :-) Schau Dir mal die Leute an, die dieses Thema ausgrenzen. Es sind genau die Leute, die solange an Magie rumbasteln, bis sie unter einem Hut mit dem Christentum passt. Die Qliphoth oder die Anti-Kabbala ist für die Arbeit mit Magie mit am effektivsten, da du dort alle Lügen, die wir als "Wahrheit" gelehrt bekommen haben, zerstörst. Um ein Schöpfer zu sein, musst du dich mit den Kräften des Qliphoths von der Schöpfung befreien. In der Arbeit mit dem Qliphoth begegnest du deinen tief verborgenen Ängsten und wünschen, und davor haben viele Menschen Angst. Aber gerade Schattenarbeit ist für einen Magier unabänderlich. Du musst mit erhobenen Haupt und dem Schwert in der Hand hinter die Schleier der Angst treten. Auf Astralreisen in den qliphotischen Ebenen begegnen dir schon merkwürdige Wesenheiten, und die Arbeit mit dem Qliphoth ist nicht ungefährlich. Viele Leute meinen dass sie keine Gruppierung brauchen um weiter zu kommen, und da stimme ich ihnen zu. Aber wenn man anfängt mit dem Qliphoth zu arbeiten wäre es töricht dies alleine oder ohne vorherigen Erfahrungen zu tun. F: Auf der Buchmesse in Frankfurt sagte jemand zu mir, dass derzeit in der deutschen Magie-Szene Dragon Rouge absolut im Kommen ist. Habt Ihr einen starken Mitglieder- Zulauf und betreibt Ihr eine offensive Mitgliederwerbung? A: Seltsamerweise ist der Mitgliederzulauf im Winter weitaus größer als im Sommer. Aber es treten auch Mitglieder aus bzw. sie verlängern die Mitgliedschaft aus den verschiedensten Gründen nicht. Zur Zeit (Dezember '00) haben wir zwischen 55 und 60 Mitglieder in Deutschland, wobei wir einen starken Zulauf von der FS verzeichnen. Da wir sehr günstig sind und Doppelmitgliedschaften kein Hindernis darstellen, kommen viele Leute zu uns, die noch in anderen Orden tätig sind. Wir machen ?Werbung" um den Leuten zu zeigen das es uns gibt und um unsere Arbeit vorzustellen. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass wir auf Mitgliederfang sind. Durch Werbung kommen wir auch in Kontakt mit anderen Organisationen, und daraus ergeben sich manchmal gute Projekte wie jüngst ein Experiment zeigt. Fast alle unsere Veranstaltungen sind auch für Nicht-Mitglieder offen. F: Gibt es eine Gradstruktur wie in anderen Orden oder eine feste organisatorische Struktur? A: Es gibt 11 Grade, die nach den einzelnen Qlipha benannt sind. Für die ersten 3 Grade muss man jeweils einen mindestens 6-monatigen Kurs absolvieren. Diese Kurse bestehen aus theoretischen Material und vielen praktischen Übungen, den wir legen sehr viel Wert auf Selbsterfahrung. Nach der Einweihung von Grad 3.0 Samael ist man Mitglied des inneren Ordens, den Drachenorden, weshalb nur die Mitglieder die Einweihung erhalten, die sich über Jahre hinweg bewährt haben. Den vierten Grad (A'arab Zaraq) erhält man auf Wunsch von Thomas Karlsson, die restlichen Grade bestehen nur noch aus Selbsteinweihung, d.h. jeder entscheidet für sich selbst wann man sich wie die Einweichung geben möchte bzw. man muss eine Arbeit vorlegen. Dragon Rouge besteht so gesehen aus 3 Teilen: einmal aus Leuten, die die Mitgliedschaft machen, aber kein Interesse an den Kursen haben, zweitens aus den Teil der die Kurse absolviert, und der dritte Teil ist der Drachenorden, der innere Kreis. Aber egal in welchem Teil man ist, bei uns werden alle gleich behandelt. Wir haben Ritualgruppen, die sich ohne festgelegte Abstände zu Ritualen treffen, und wir haben Logen. Eine Loge muss im Gegensatz zu einer Ritualgruppe ein Programm veröffentlichen. Der Logenleiter hat als einzigste Person Zugang zu den Namen und Adressen der Mitglieder innerhalb seines Bereiches, ansonsten bleiben die Mitglieder anonym. Wenn jemand in Kontakt mit anderen Mitgliedern kommen möchte, so muss er / sie zu unseren Veranstaltungen kommen oder sich in unsere interne Yahoo-Group eintragen. Die Logen arbeiten ihre Programme selbst aus, und dabei sind Anregungen der einzelnen Mitglieder immer willkommen. Manchmal rufen auch Mitglieder an, die einfach Lust auf ein Gruppenritual haben. Jede(r) kann sich einbringen wie er / sie möchte. F: Ist nicht der Gedanke einer Hierarchie immer damit verbunden, dass es irgendwo "da oben" die absoluten Freaks, Meister, Erleuchteten gibt und "die unten" sich von den Bröckchen ernähren müssen, die ihnen zugeteilt werden? A: Unser Gradsystem ist keine Hierarchie! Die einzelnen Grade dienen als persönliches Barometer in einer qliphotisch-alchimistischen Entwicklung, nichts weiter (siehe hierzu weiter unten nach). Nur im inneren Kreis gibt es Arbeitsgruppen wie z.B. Dragon Noire, der nur für sich und unter sich arbeitet. Ansonsten kann jeder, ob eingeweiht oder nicht, genauso viel lernen wie jeder andere auch. Meister oder ähnliches sucht man bei uns vergebens, den es sind alle, ob Thomas Karlsson oder ein 18jähriges Neumitglied, gleich. Der Grund warum es Arbeitsgruppen ab Grad 3.0 Samael gibt, die nur unter sich arbeiten, ist einfach der, dass diese Leute das gleiche Interesse wie z.B. Astralreisen haben und diese gemeinsam praktizieren. Wie sollte dort jemand mitmachen der noch nicht reisen kann? Aber es existieren auch offene Arbeitskreise, die für jeden, ob Mitglied oder nicht, zugänglich sind. In Deutschland haben wir eine Gruppe für schamanisches Reisen, die sich jeden ersten Sonntag im Monat trifft. F: Bereits aufgenommene Ordensmitglieder müssen trotzdem ihre Materialien und Lehrschriften kaufen. Ist das nicht ein wenig übertriebener finanzieller Eifer? Warum reicht nicht eine Art Mitgliedsbeitrag? A: Anfangs gab es auch nur einen Mitgliedsbeitrag für alles. Aber dann kamen Mitglieder an und meinten, dass sie kein Interesse an den Kursen haben und es nicht einsehen, dass sie den gleichen Beitrag bezahlen sollten wie andere, die die Kurse machen wollen. Dies hat dann Überhand genommen, und nun bieten wir die "einfache" Mitgliedschaft an, die 40,- EUR im Jahr beträgt. Die Mitglieder erhalten dafür vier mal im Jahr unsere Mitgliederschrift Dracontias, können an sämtliche Aktivitäten teilnehmen, erhalten einen Rabatt bei kostenpflichtigen Veranstaltungen udg. Wer Interesse hat, der kann dann den Initiationskurs kaufen. Die Initiationskurse von Grad 1.0 Lilith bis Grad 3.0 Samael sind die einzigsten Unterlagen, die extra bezahlt werden müssen. Sie kosten 55,- EUR (Grad 1), 60,- EUR (Grad 2) und 65,- EUR (Grad 3) inklusive allem (z.B. Räuchermischungen). Das heißt also mit der Investition von 180,- EUR erhält man ein Leben lang einen unbegrenzten Zugang zu diversen okkulten Büchereien, Schriften, Arbeitsgruppen, Tempeln und so weiter. Im übrigen erwirtschaften wir keine Gewinne. Wenn tatsächlich mal etwas Geld zur Verfügung stehen sollte, so werden davon Bücher angeschafft, die sich unsere Mitglieder kostenlos ausleihen können, und das Geld wird in unseren Tempeln hinein gesteckt. Für die einzelnen Grade empfehlen wir das Studium bestimmter Bücher. Da diese meist schwer zu beschaffen oder teuer sind kaufen wir diese und stellen sie den Mitgliedern zur Verfügung. Kein einziges Mitglied innerhalb von DR verdient auch nur einen einzigen Pfennig an der Arbeit. Unseren Tempel in Stockholm, auf Gotland und in Deutschland finanzieren wir sogar privat, d.h. einige Mitglieder vom inneren Kreis bezahlen ihn aus der eigenen Tasche. F: Offiziell heißt Euer Orden auch Ordo Draconis et Adamas Ater. Was bedeutet der 'Schwarze Diamant'? A: Der schwarze Diamant ist die eigentliche Transformation in der Al-khemie. Das Wort Al-Khemie stammt aus dem ägyptischen ab (von den alten Namen Ägyptens "Khemet" = schwarze Erde) und ist der fruchtbare Nilschlamm. Das Ziel des al-khemischen Prozesses, der Khemeia genannt wird, ist die Verwandlung von dem schwarzen Erz in einem schwarzen Diamanten. Die schwarze Erde war das spirituelle und vitale Fundament des alten Königreiches. Der Nilschlamm war die Grundlage des Lebens. Wenn man die Kräfte der schwarzen Erde in einem einzelnen Objekt isolieren könnte, so würde dieses Objekt alle vitalen und spirituellen Elemente in sich tragen und ihren Träger unsterblich machen. Dieses Objekt ist der schwarze Diamant, der ursprüngliche Stein der Weisen. Die Transformation der Lebensgrundlage ist das Ziel der spirituellen Al-Khemie, und dies erlangen wir durch die 11 Phasen der qliphothischen Einweihung. Die Kohle wird zu einem edlen Diamanten. Das Ziel der drakonischen Tradition ist das Erreichen der spirituellen Perfektion, die durch den schwarzen Diamanten symbolisiert wird. F: Wie sieht es mit praktischer alchimistischer Arbeit aus? A: Das Initiationssystem von DR basiert auf einem alchimistischen Prozess der Transformation unseres Selbst in einem vollendeten und individuellen Sein. Dies ist die Idee, die hinter Adamas Ater, dem schwarzen Diamanten, steht. Jedes Individuum ist das alchimistische Labor, und unsere Übungen wie das Meditieren, die Selbstbetrachtung, die Zeremonien udg. sind der praktische Teil der Arbeit. Unsere Ansicht der Al-Khemie ist die der Interpretetation von Carl Gustav Jung sehr ähnlich, obwohl wir sehr viel tiefer gehen als die Psychologie dies tut. Den ganzen alchimistischen Prozess, den man innerhalb von DR während der 11 Grade durchläuft, findet sich in unserem Logo wieder. Eine kabbalistische Interpretation dieser Arbeit spiegelt sich im Clavicula Nox, dem Schlüsselsymbol von DR, wieder. F: Individuen und Gruppen, die sich mit heidnischer Magie, Runen, Vril, Set, Shaitan usw. beschäftigen, werden derzeit sehr stark in Schubladen gedrängt - meist die satanistische oder rechtsradikale. Welche Winde wehen denn euch so ins Gesicht? A: Zur Zeit noch Flauten, obwohl ich mit den Sturm noch rechne. Wir befinden uns sozusagen noch in der Ruhe vor dem Sturm. Hier und da werden Gerüchte über uns verbreitet, von wegen ?Satanisten" oder ?Rechtsradikale" und Müll wie das wir Marionetten irgendwelcher Außerirdischen, den Greys, seien. F: Neben dem roten Drachen gibt es auch ein System des Dragon Noire, des schwarzen Drachens. Was hat es damit auf sich? A: Dragon Noire, der schwarze Drache, ist die Anti-These des roten Drachen. Es handelt sich hierbei um einen internen Arbeitskreis in Schweden, der sich im insbesonderen mit Tod - Verwesung - Wiedergeburt auseinander setzt. Unser gleichnamiges Seminar im November 2000 hier in Hagen war eine Einführung in diese spannende Arbeit. Das Seminar bestand mehr aus Praxis den aus Theorie, und es ging u.a. um den Kult der schwarzen Schlange als Schatten der Kundalini, die dunkle Seite der Runen, dem Qlipoth etc. Während dieser Arbeit zerstörst du mit der einen Hand, während du mit der anderen Hand erschaffst. Für diesen Arbeitskreis muss der interessierte einige Erfahrungen der praktischen Magie haben, da die Arbeit sehr intensiv ist. Aber Grundsätzlich steht er für jedes Mitglied offen. F: Im Namen Draculas ist auch der Drachen verborgen, ist Vampirismus ein Hobby von Drachenmagiern? A: Vor kurzem hab ich noch einen Artikel über dieses Thema veröffentlicht. Es gibt Gerüchte, das Vlad Tepes III, der "Sohn des Drachen" (= Draculea) in einem Vampirorden Mitglied war. Ich zweifle diese Gerüchte jedoch an, da es keinerlei Hinweise bzw. Beweise dafür gibt. Bram Stoker benutzte seinen Namen und sein Leben als Vorbild aufgrund seiner Grausamkeit, während er noch heute in Rumänien als Nationalheld gefeiert wird (Bram Stokers ?Dracula" ist eigentlich eine Mischung aus Fürst Vlad Tepes III und Gräfin Barthory). Aber um auf Deine Frage zurück zu kommen, ich denke das der Vampirismus mittlerweile eine eigenständige Ausrichtung geworden ist. Es gab in Schweden mal eine Loge, die sich mit gothischen Vampirismus auseinander gesetzt hat. Dann existieren ja noch diverse Vampirorden, vor allem in den Staaten, aber ich kenne höchstens eine Handvoll Drakonier, die Interesse am Vampirismus haben. Daher glaube ich nicht, dass es eine Verbindung gibt bzw. dass der Vampirismus ein Hobby von Drachenmagiern ist. Aber ich kann mich auch irren. F: Gibt es auch für Leute, die nicht (oder noch nicht) Ordensmitglieder werden wollen, Möglichkeiten, an das innere Wissen des Ordens heranzukommen oder Veranstaltungen und Kurse zu besuchen, an Ritualen teilzunehmen etc.? A: Unsere monatlichen Logentreffen sind für jeden frei zugänglich und sie sind umsonst. Seit etwas über einem Jahr finden bei diesen Treffen Vorträge statt, was das ganze für alle Beteiligte wesentlich interessanter macht. Im vergangenen Jahr standen die nordisch-germanische Mythologie im Vordergrund dieser Treffen, und wir hatten einiges zum Thema Dämonologie sowie ägyptischer Magie. In diesem Jahr wird es weiterhin Vorträge zur Edda, Nibelungen und Externstein geben. Frater Eremor hält im Februar einen Vortrag zur Geschichte des Satanismus, dabei handelt es sich um eine Art Fortsetzung seines Vortrages über Satan-Seth. Eventuell findest ein Vortrag über Spiritualität und Drogen statt. Ansonsten organisieren wir auch Vorträge zu wesensverwandten Themen. Wenn jährlich die Delegation aus Schweden kommt finden ebenfalls Vorträge und Seminare statt. Wir werden in diesem Jahr erstmalig das Feld unserer Arbeit auf den süddeutschen Raum ausdehnen, indem wir Einführungsvorträge halten werden. Wahrscheinlich wird auch das ?Le Dragon Noire-Seminar" noch einmal stattfinden, und zwar einmal wieder in Hagen, und eine zweite Veranstaltung im Großraum München. Bis jetzt waren alle Gruppenrituale nur für Mitglieder, was sich aber nun ändern wird. Wir wollen Rituale abhalten, die auch für Nicht-Mitglieder zugänglich sein werden. Dies soll keine Mitgliederwerbung sein wie so manche böse Zunge behaupten wird, sondern es steht der Wissens- und Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Unsere Homepage wird noch komplett geändert. Unter anderem werden dann die Besucher dort Artikel aus der Dracontias finden sowie einige Praxisteile. Unser Programm steht auf der Homepage, so, dass Interessierte die Chance der Teilnahme haben. Bei Ritualen, die wir zukünftig nicht mehr offen ankündigen, ist es besser, dass die Leute sich vorher melden. Ich möchte erst sehen was das für Leute sind die zu unseren Ritualen kommen wollen. F: Wir danken Dir herzlich für dieses Interview und wünschen Dir auf den magischen Pfaden ins Unbekannte viel drakonische Kraft! A: Ich danke Euch für die Fragen und wünsche Euch nur das Beste vom Besten für die Zukunft. (1) Diese Aussage führte oft zu der Behauptung, dass DR ein Therion-Fanclub sei. Dass ich oder andere durch Interviews mit Christofer von DR erfahren habe, unterstützt noch lange nicht diese Behauptung. |
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